Trotz Zeckenstichanamnese dauert es 7 Jahre bis zur Diagnose Borreliose
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Trotz Zeckenstichanamnese dauert es 7 Jahre bis zur Diagnose Borreliose

7. Juli 2015 - Kasuistiken

Trotz Zeckenstichanamnese dauert es 7 Jahre bis zur Diagnose Borreliose. Forstwirt entwickelt nach Zeckenexposition unzählige unspezifische Symptome.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Erkrankung bereits chronifiziert. Der Patient beklagte zunehmend Schwäche und Symptome aus dem neurologischen Formenkreis. Seine Arbeitsfähigkeit nahm immer stärker ab.

Kasuistik:

Forstwirt bis 1992 unzählige Zeckenstiche im Rahmen der Berufsausübung.
11/1992: Nackensteifigkeit, physikalische Therapie ohne Erfolg. AU ca. 5 Wochen.

1993: Sensibilitätsstörung in der linken Hand, MRT schloss Halswirbelsäule als Ursache aus. Elektrotherapeutische Behandlung ohne Erfolg.borreliose-kasuistik-forstwirt-chart

1994: Neurologie, Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom – sonst unklares Beschwerdebild, Vergleichsmessung beidseitig brachte identische EMG, ENG Messwerte. Nicht operationsbedürftig wegen fehlender Schmerzsymptomatik.

1995: Beidseitige Myopathien der unteren Extremitäten unklarer Genese. Krämpfe in Fuß, Wade, Fußsohle und Oberschenkel beidseitig.

05/1995: Atemnot, Herzschmerzen, Angina Pectoris Anfälle im Ruhezustand, AU 5 Wochen, im Verlauf des Jahres 1995 Anfallsreduktion.

06/1996: Progredienz der Anfälle. Kardiologische Diagnostik Uniklinik o.B.

10/1997: Schmerz-Symptomatik Hüfte rechts, Bildgebung Hüfte und Becken beidseitig. Diagnose: Ausschluss Arthrose.

12/1997: Nierenschmerzen, Lymphknotenschwellung, Leistenbeuge und Achsel beidseitig. Allgemeine Abgeschlagenheit und Schwäche. Borrelien-Serologie positiv, sonstige Laborbefunde unauffällig.

09/1998: Sehstörungen, ophthalmologisch Ablagerungen unklarer Genese im Glaskörper diagnostiziert.

11-12/1998: Schmerzen der Lendenwirbelsäule L5/S1, Wurzelirritation ohne Einschränkung der Beweglichkeit, Therapieversuch mit Diclofenac ohne Wirkung.Baeume

12/1998: Der kompletten Remission der Schmerz-Symptomatik im Bereich der Lendenwirbelsäule folgen täglich Kopfschmerzen, Übelkeit, Gereiztheit, Abgeschlagenheit. Irritationen und Schmerz im Versorgungsgebiet der Nervi trigeminus und ophthalmicus. Flimmerskotome. Benigner paroxismaler Lagerungsschwindel.

01/1999: AU wegen oben genannter Symptomatik. Diagnostik: Neurologie – Winterdepression, Radiologie – CT ohne Befund und Augenarzt ohne Befund.

02/1999: Fieber 38,8°C, rechtsseitige Gesichtslähmung mit hängendem Mundwinkel, Taubheit rechts. Unterlippe, Doppelbilder – Augenlid rechts hängt, Kraftminderung Arm beidseitig. Beidseitige Sensibilitätsstörungen an Händen und Füßen. Erneute Zuweisung Augenarzt und Neurologie.

03/1999: Stationäre Aufnahme zur weiteren Diagnostik in Neurologie Uniklinikums. Diagnostik: Lumbalpunktion, EMG und NLG. Therapie: Rocephin 2g iv. zwei Wochen, Fortsetzung in der hausärztlichen Praxis. Am dritten Tag der Antibiose Herxheimer-Reaktion, dann Remission.

04/1999: Verschlechterung Allgemeinzustand, neue Symptomatik: Muskelschmerzen, Körperzittern für Sekunden, Muskelschwäche, Nervenzucken in den Schulterblättern sowie in der Bauchgegend. Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Neuropathie Hände und Füße beidseitig.

Trotz Zeckenstichanamnese dauert es 7 Jahre bis zur Diagnose Borreliose.Forstwirt-Helm

08/1999: Kontrollen Kardiologie, Pulmologie, Neurologie und Radiologie. MRT Schädel, Suralisbiopsie, Lumbalpunktion, EMG und ENG. Verdachts-Diagnose: Borreliose. Wegen Verdacht auf Autoimmunerkrankung Therapie: Urbason 40 mg.

10/1999: Auffallende Zunahme der Beschwerden unter Urbason 40mg. Doppelbilder, rechtes Augenlid hängt, Lippe erneut taub, Kopfschmerz, Übelkeit, starkes Schwitzen, verstärkte Muskelschwäche ist Ursache für Reduktion der Gehstrecken.

10/1999: Wegen Beschwerde-Zunahme erneut ambulante Untersuchung Uniklinik NLG, EMG. Diagnose: Polyneuropathie unklarer Genese.

11/1999: Stationär Neurologie der Uniklinik. Lumbalpunktion, Urbason wird ausgeschlichen. Diagnose: Polyneuropathie unklarer Genese, Verdacht auf Autoimmunerkrankung, Ausschluss: Encephalomyelitis disseminata.

11/1999: Begutachtung im Auftrag der Unfallkasse Sachsen in der Uniklinik Leipzig.

5/2000: Neurologische Diagnostik EMG und NLG Uniklinik. Diagnose: Wieder Polyneuropathie unklarer Genese.Forstwirt-6

05/2000: Rocephin iv- mit 4g – empfohlen vom Gutachter – über 21 Tage. Anschließend die Einnahme von 200mg Doxycyclin über vier Monate. Bei Behandlungsbeginn zunächst Progredienz der bestehenden Symptomatik. Nach 10 Tagen Remission.

Mitte 06/2000: Eingeschränkt arbeitsfähig. Wiedereingliederung über zunächst 3 Stunden, dann 4. Auf Wunsch des MDK wurde die Arbeitszeit im wöchentlichen Rhythmus pro Tag um eine Stunde verlängert.

Der Gutachter der Unfallkasse Sachsen diagnostizierte erstmalig eine chronisch persistierende Borreliose.

09/2000: Kardiologische Kontrolle. Diagnosen: Hypertonie, diletative Kardiomyopathie.

11/2000: AU Heftige Kopfschmerzen mit Übelkeit. Diagnose: Schubförmiger Verlauf der bestehenden Borreliose.

05-06/2001: Immunsuppression im Rahmen der Borreliose-Erkrankung.

05-06/2001: Länger AU wegen schwerer neurologischer Symptomatik (Hirnnervenbeteiligung) Diagnose: Schubförmiger Verlauf der bestehenden Borreliose.

09-10/2001: AU Erschöpfungssyndrom.

12/2001: Arbeitsunfall durch bestehende Neuropathie. AU ca. 4 Wochen.

01/2002: Herzzentrum Uniklinik Herzkatheter-Untersuchung mit Myokardbiopsie wegen Herzrhythmusstörungen ohne Befund.

10-11/2002: AU wegen schwerer Neuro- und Myopathien.

03/2003: Erneut AU wegen schwerer Neuro- und Myopathien.Forstwirt-1

10/2003: AU wegen starker Erschöpfbarkeit und schneller Ermüdung. Gleichzeitig bestehen Myopathien, starke Kopfschmerzen und Übelkeit bei erheblicher Kraftminderung in den Beinen – Laufstrecke max. 300m möglich. Fortbestehen der AU.

04/2004: Reha 4 Wochen, arbeitsunfähig entlassen, anschließend rückwirkende Berentung ab 02/2004. Rente auf Dauer.

01/2007: Erneut schwere Neuro- und Myopathien stationäre Aufnahme Neurologie für ca. 3 Wochen keine Behandlung, weil aktuell keine Neuroborreliose nachweisbar (Unter Hinweis auf Leitlinie der DGN, sie erfüllt lediglich S1 Kriterien, trotzdem wird Patienten die Behandlung verweigert!).

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Ein Kommentar
Katrin Petroianu

OH je – das kenne ich auch. Hier ist die Politik gefordert: die Leitlinien gehören überarbeitet. Bin seit 11 Jahren infiziert und kenne diese Odyssee. – dauerkrank, Jobverlust, nur noch Teilzeitarbeit möglich und das auch nur eingeschränkt Überlebensaängste – aber von Reha als topgesund entlassen.
Bin selbst im Gesundheitswesen tätig gewesen und davon überzeugt, dass ganz viele Fibro oder MS Patienten ursächlich eine Borreliose haben.
Gibt es Petitionen oder Ähnliches?

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