Borreliose-Kasuistik-Reiterin
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Borreliose-Kasuistik-Reiterin

8. Juli 2015 - Kasuistiken

Kasuistik: Reiterin 12 Jahre bis zur Diagnose Borreliose

In Landwirtschaft und Jagd engagierte Reiterin mit erheblicher Zeckenexposition erinnert 10 – 20 Zeckenstiche pro Jahr. Die Stichstellen wurden immer über einen längeren Zeitraum beobachtet, es kam niemals zur Ausprägung des klassischen Erythema migrans.

1997: Rezidivierende Pneumonien.Borreliose-Kasuistik-Reiterin

09/2004: Extremer neuralgieformer Schmerz Leiste links. Stehen kaum noch möglich. Beidseitige Myopathien der Oberschenkel. Unklare Erschöpfungs-Symptomatik, Apathie. Lymphadenitis am Hals, Tinnitus mit Zahn- und Kieferschmerzen (zahnärztlicherseits ohne Befund.) Hausarzt leitet Therapie mit Immunglobulin ein, innerhalb von 2 Jahren insgesamt 6 Therapie-Intervalle.

03/2007: Chronisch rezidivierende Gastralgien, Gastroskopie ohne Befund. Beidseitige Sensibilitätsstörungen der unteren Extremitäten, Myopathien der Oberschenkel, Gangunsicherheit. Verdacht auf sensible Ataxie, Polyneuropathie oder Spinalkanalstenose. Chronisch rezidivierende Durchfall-Attacken unklarer Genese, Koloskopie ohne Befund mit vasovagalen Synkopen.

Borreliose Kasuistik Reiterin 110/2007: Nach dem Aufwachen Aphasie mit Somnolenz für ca. 14 Tage anhaltend, phasenweise Sopor, über 16 Stunden Schlaf täglich schwer bis nicht weckbar. Visuelle und kognitive Verarbeitung von Schrift oder Sprache erheblich beeinträchtigt. Infolge fehlender Wahrnehmungs-Konstanz massive Rechenprobleme (kann 8+5 nicht addieren), Zahlen– und Buchstabendreher, Problem mit Uhrzeit-Erkennung, kann tagelang die Geburtsdaten der eigenen Kinder nicht erinnern. Schwindel, vasovagale Synkope und Somnolenz. Starke rezidivierende Kopf- und Nackenschmerzen, Geräuschempfindlichkeit rezidivierende Gastralgien mit gelegentlichem Erbrechen.

05/2008: Stationärer Klinikaufenthalt wegen Progredienz der oben genannten Symptomatik. Diagnosen: Verdacht auf Pfeifferisches Drüsenfieber, Serologie ergab früher durchgemachte EBV Infektion.

10/2008: Schmerzen im rechten Ellenbogen, hauptsächlich nachts. AU wegen chronisch rezidivierenden Magen-Darm-Infekten. Gynäkologisch unauffälliger Befund. Schüttelfrost-Attacken in Verbindung mit Fieber, Tachykardien.

11/2008: Für ca. 2 Jahre anhaltend benigne Faszikulation des Auges rechts. Gewichtszunahme 12 kg (von 53 auf 65 kg) ohne ernährungsbedingte Ursache.

12/2008: Mehrfach vasovagale Synkope bei ständigem Krankheitsgefühl.Borreliose-Kasuistik-Reiterin-Stall

01/2009: Stationärer Klinik-Aufenthalt. Diagnose: zunächst Verdacht auf Virusinfektion, später ohne Befund.

04/2009: MRT ohne Befund., wegen Verdacht auf Neuroborreliose Liquorpunktion mit erheblichen Komplikationen.

Therapie: Initial unterdosiert Doxycyclin 200 mg oral täglich wird auf 400 mg täglich über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen angepasst. Patientin fühlt sich „wie neugeboren“, die über Jahre bestehenden Blasenstörungen mit Polyurie nachts gehen ebenfalls zurück. Einem beschwerdearmen Intervall, über wenige Wochen, folgt ein Beschwerde-Rezidiv mit Neuropathien der Hände und Füße beidseitig.

05/2009: Ausschluss Neuroborreliose, NLG obere und untere Extremitäten unauffällig. Inkomplette Läsion der zentralmotorischen Bahn linker Arm. Liquor zeigt keine borrelien-spezifischen Antikörper. AEP und Tibialis SEP unauffällig. Zusammenfassung: Serologisch gesicherte Borreliose.

06/2009: Umfangreiche Schilddrüsendiagnostik ohne Befund.

Pferd108/2009: Ständige Herzrhythmusstörungen mit enormer Schwäche, Patientin ist kaum in der Lage an einem Stück zu duschen, die Somnolenz wird als sehr bedrohlich wahrgenommen. Nächtliche Extrasystolen mit Atemaussetzern werden als Gefühl von einem breiten Eisenring unter der Brust beschrieben, der die Atmung schmerzhaft einengt. Zusätzlich treten wechselnde Empfindungsstörungen (Sonnenbrandgefühl) am ganzen Körper mit Schwindel und Übelkeit auf.

09/2009: Neurologie: Essentieller Tremor während der Untersuchung, Zustand nach Borrlieninfektion ohne Anhalt für das Vorliegen einer Neuroborreliose, Multilokuläre sensible Störungen, vegetative Labilität und extrapyramidales System, unspezifisches „Erregungszittern“ am ganzen Körper.

Wegen der häufigen AU-Zeiten wurde die Patientin hausintern versetzt, sie konnte ihre frühere Position mit  Führungsverantwortung krankheitsbedingt nicht mehr ausfüllen. Patientin arbeitet – sortiert Akten – nur noch stundenweise und kann ihre Arbeitszeiten jeweils an ihre aktuelle Arbeitsfähigkeit anpassen. Sie ist ihren Vorgesetzten und Kollegen jedoch dankbar für deren Entgegenkommen.

10/2009: Neu hinzugezogener Arzt empfiehlt Kontakt mit SHG aufzunehmen, um von dort eine Adress-Liste von borreliosekundigen Ärzten zu bekommen.Pferd-2

11/2009: Diagnose Borreliosespezialist: Anamnestisch, klinisch und serologisch gesicherte Borreliose-Erkrankung im Folgestadium, aktive Borreliose. Der Arzt aus 10/2009 verweigert die Umsetzung der vom Borreliosespezialisten empfohlenen Therapie. Patientin hat zwischenzeitlich Miktionsstörungen, Blasenentleerung nur im warmen Badewasser möglich. Stimmung verzweifelt, grenzwertig suizidal.

11/2009: Ärztin mit über zwanzig jähriger Borreliose-Erfahrung vermittelt einen Arzt, der sich bereit erklärt die Infusionstherapie zu realisieren.

Therapie: 11/2009: Rocephin 2g i.v. tägl. (nach 14 Tagen Herxheimer-Reaktion). Weiter mit Doxyhexal 400 mg i.v. tägl. + Tetracyclin 500 mg Tbl. tägl. 8 Wochen lang. Nach Wochen mit Herxheimer-Reaktion fühlt sich die Patientin „wie neugeboren“. Einem beschwerdearmen Intervall über 3 Wochen folgt ein Beschwerde-Rezidiv.

03/2010: Klacid 500 mg i.v. tägl. + Tetracyclin 500 mg oral tägl. für 11 Wochen.

05/2010: Zithromax 500 mg tägl. für 6 Tage 1 Tabl. dann 4 Tage Pause. Weiter über 8 Wochen je 3 Tage Zithromax 500 mg gefolgt von 4 Tagen Pause. Zwischenzeitlich immer wieder Herxheimer-Reaktionen.

07/2010: Zithromax 500 mg tägl. + Quencyl 200 mg tägl. für 7 Wochen.

10/2010: Doxyhexal 200 mg i.v. tägl. + Tetracyclin 500 mg Tbl. tägl. + 12 Wochen lang 1 x wtl. Ganzkörperhyperthermie.Pferd-1

01/2011: Doxyhexal 200 mg i.v. tägl. + Tetracyclin 500 mg oral tägl. + 1 x wtl. Ganzkörperhyperthermie für 2 Wochen.

01/2011: Tetracyclin 500 mg oral tägl. + 1 x wtl. Ampi sulbac 1000 mg i.v. + 1 x wtl. Ganzkörperhyperthermie für 4 Wochen.

02/2011: 1 x wtl. Ampi sulbac 1000 mg i.v. + 1 x wtl. Ganzkörperhyperthermie für 5 Wochen. NK-Zellaktivität hat sich von 11 auf 49% gesteigert. Norm liegt bei 20-30%.

04/2011: Diagnose Schilddrüsendiagnostik: Autoimmunthyreoiditis Typ Hashimoto.

05/2011: 1 x wöchentlich Ampi sulbac 1000 mg i.v..

06/2011: 2 x wtl. Rocephin 2g i.v. für 11 Wochen.Pferde-viele

09/2011: 2 x wtl. Cefotrix über Zeitraum von 3 Wochen. Therapieunterbrechung wg. spontaner Einblutungen ins Gewebe.

09/2011 – 05/2012: Therapiefreies Intervall.

10/2011: Erhöhter Antikörpertiter gegen Parietalzellen.

03/2012: Gastroskopie. Diagnose: Zöliakie.

06/2012: Rezidiv Therapie: Quensyl 200mg, Minocyclin 200mg, Metronidazol 1500mg.

 

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2 Kommentare
Günther Schust

Als ich das gelesen habe, dachte ich, das ist meine Beschreibung. Wie sich diese Fälle auf weiten Strecken gleichen. Weltweit beruflich unterwegs ohne Probleme bei 48 Grad Celcius in Süd-Indien, oder minus 30 Grad in Nord-Finland machten mir wenig aus. Dann plötzlich sehr komische Anwandlungen, Herzrasen, Wahrnehmungs-störungen in China. Berufsende, heftige menthale Veränderungen und völliges Unverständnis bei Verwandten und Bekannten. Jahre folgend seronegativ eine endlose Ärzteodyssee. Verschiedenste Therapieversuche und 2 jahre selbst gemachte hochdosierte Infusionen (ca.80) mit Rocephin. Lange Zeit ohne Schmerzmittel (Ibuprophen 800) nicht möglich. Erst durch Schwermetall-Ausleitung (DMPS und Zn-DTPA, HOT, 27 Behandlungen in Würzburg)gute Besserung und keine Schmerzmittel mehr nötig. Allerdings jetzt noch Diabetes, Schlafapnoe, Polyneuropathie. Jetzt geht es wieder relativ gut, aber es bleibt einem was.

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Peggy Schroders

Meine Tochter von gerade 13 Jahre alt wurde in 2007 als sie noch erst 4 Jahre alt war sehr krank. Wir wohnten damals in einer grüner Umgebung.
Wir wohnen in Holland und meine Tochter ist seit vielen Jahre bei den Kinderarzt gewesen weil sie sich nachher nie wieder gut gefühlt hat.
Nie hat man gewusst was Ihr fehlte. Jetzt aber waren wir bei einem Arzt der dem Protocol von ILADS nachfolgt. Nachdem Ihr Blut in Augsburg positiv getestet hat auf Borrelia und Ehrlichia haben wir eine Menge Antibiotika bekommen aber ich bin noch nicht überzeugt dass die Kombination funktionieren wird weil sich die Infektion ja schon chronifiziert hat.
Und jetzt suchen wir die beste Lösung für Ihre Krankheit.

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