Zeckenbiss
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Zeckenstich – Hilflose Kranke, ratlose Ärzte

19. Dezember 2011 - Veröffentlichungen

32-jähriger verstirbt an einer Lungenentzündung. Ein Zeckenstich verursachte bei dem bisher gesunden jungen Mann eine Borreliose. Sie ist als mögliche Ursache für die Lungenentzündung im Gespräch. Bisher gibt es in Deutschland keine flächendeckende Meldepflicht. Aus diesem Grund passiert natürlich auch wenig Forschung und ärztliche Weiterbildung…

Lebensgefahr durch Zeckenbisse

Der Sportstudent Tobias Paluthe könnte möglicherweise noch leben. Er litt an einer schweren, durch Zecken übertragenen Borreliose.
Doch Monate vergingen, bis die lebensgefährlichen Bakterien bei ihm diagnostiziert wurden. Andreas Halbach Hans-Georg und Pamela Paluthe sind fassungslos. Der Vater und die Schwester trauern um Tobias. Für seinen plötzlichen Tod hat die Familie bis heute keine Erklärung. Immer wieder lesen sie im Obduktionsbericht. Der Leistungsschwimmer ist kerngesund, bis ihn eine Zecke beißt. Zeckenstich–Hilflose-Kranke-ratlose-ÄrzteDem 32-Jährigen geht es immer schlechter: starke Gelenkschmerzen, Antriebsschwäche, Tobias magert um 25 Kilo ab. Er hat sich mit Borreliose infiziert, einer bakterielle Krankheit, die durch den Zeckenbiss übertragen wird.
Pamela Paluthe erinnert sich: „Mein Bruder ist davon ausgegangen, dass es nicht tödlich ist. Deswegen ist er nicht ins Krankenhaus gegangen. Laut Bericht und Informationen von verschiedenen Ärzten gehen wir jetzt davon aus, dass es doch tödlich war.“
Mögliche Ursache für Lungenentzündung Todesursache ist laut Obduktionsbericht ein Herz-LungenVersagen. Doch auch die Borreliose wird als mögliche Ursache für eine schwere Lungenentzündung genannt. Die Borreliose selbst aber ist nach vorherrschender Meinung der Medizin in Deutschland nicht lebensbedrohlich. Die Schwester berichtet: „Diese Lungenentzündung kam sehr plötzlich. Er hatte sich Tage vorher noch an der Lunge untersuchen lassen. Da wurde nichts festgestellt. Und wir haben die Information bekommen, dass bei so einer Borreliose die Organe innerhalb weniger Stunden befallen werden können.“
Also doch Lebensgefahr durch Zecken-Borreliose? Das große Problem: Niemand weiß Genaues über diese Krankheit. Obwohl sie sich rasend schnell ausbreitet, ist die Infektion in Deutschland bisher kaum erforscht. Niemand weiß Genaues.

100.000 Neuerkrankungen erwartet

Gerade jetzt bis Ende September herrscht die größte Gefahr, von einer Zecke gebissen und mit Borrelien-Bakterien infiziert zu werden. Die Populationen haben sich wegen der milden Winter stark vermehrt und immer mehr Parasiten sind mit gefährlichen Borreliose-Erreger verseucht, in manchen Gebieten schon jede dritte Zecke.
Allein in diesem Jahr erwarten Experten 100.000 Neuerkrankungen. Doch das sind bloße Schätzungen. Denn genaue Zahlen gibt es nicht. Genau so wenig wie eine zuverlässige Diagnose oder eine wirkungsvolle Therapie.
Zecke-im-Gras1Viele Ärzte sind überfordert, und auch der Staat lässt Hunderttausende Patienten im Stich, meinen Kritiker. Dazu gehört auch Thomas Talaska. Der Facharzt für Mikrobiologie leitet das einzige unabhängige ZeckenForschungsinstitut in Deutschland. Im Oder-Spree-Kreis erforscht er seit zehn Jahren die Borreliose-Epidemie. Talaska ist Berater der Weltgesundheitsorganisation und wertet die Daten für das Land Brandenburg aus.

Meldepflicht unumgänglich

In den neuen Bundesländern ist die Erkrankung meldepflichtig. Eine bundesweite Meldepflicht hält der Zecken-Forscher für längst überfällig: „Im Moment haben wir so wenig Daten, dass wir uns in einem relativ luftleeren Raum bewegen. Wir wissen nicht, wie und in welcher Form diese Krankheit tatsächlich verbreitet ist. Und deshalb halte ich die Meldepflicht für unumgänglich.“

Stark steigende Opfer-Zahlen

Doch trotz einer Verzehnfachung der Borreliose-Opfer seit 1995 allein in Brandenburg drücken sich die Verantwortlichen des Gesundheitswesens offenbar bewusst vor einer bundesweiten Meldepflicht, meint auch der Experte: „Wenn ich diese Zahlen habe, habe ich logischerweise auch einen Druck. Dann kommen auch garantiert Anfragen im Bundestag, warum passiert dort nichts (…).“

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