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Borreliose Leitlinie

27. April 2018 - Veröffentlichungen

Quantität ist nicht gleich Qualität: Neuroborreliose Leitlinie Teil 1

Leitlinien sollen Ärzte und andere medizinische Berufsgruppen darin unterstützen, angemessene diagnostische und therapeutische Maßnahmen im Sinne ihrer Patienten, ergreifen zu können. Leitlinien haben, anders als Richtlinien, in der Theorie lediglich Empfehlungscharakter. Leider wird häufig nicht zwischen Richt- und Leitlinie unterschieden, es entstehen Unsicherheiten.

Es gibt 3 Leitlinienklassen

Im April 2018 wurde die S3-Leitlinie Neuroborreliose nach vielen Protesten veröffentlicht. Die Gruppe bestand aus Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, 3 Patientenorganisationen und einer ärztlichen Gesellschaft der DBG, die die Leitlinie wegen inhaltlicher und formaler Mängel abgelehnt haben. Zu diesem Zweck sind Dissenserklärungen von allen Patientenorganisationen abgegeben worden. Auch die Deutsche Borreliose Gesellschaft (Ärzte) haben der Leitlinie widersprochen. Trotzdem haben die Autoren dieser Lei(d)tlinie ihre Privatmeinung (ohne neue Forschung) durchgesetzt.

 Zu den statistischen Qualitätsmerkmalen

Es wurden zur Entstehung der Aussagen 235 Literaturquellen bemüht.

Bei jeder wissenschaftlichen Arbeit wird die Verwendung von angemessener und aktueller Literatur erwartet. Etwa 68 % der Leitlinien-Quellen sind bis zu 30 Jahren überaltert. Diese Vorgehensweise widerspricht insbesondere dem medizinischen Fortschritt und dem Anspruch an Aktualität. Selbst die eher aktuellen Quellen der vergangenen 8 Jahre, sind hauptsächlich Übersichtsarbeiten, die veraltete Arbeiten zusammenfassen und interpretieren.

Dieser rein formale Grund widerspricht dem Anspruch an eine medizinische S3 Leitlinie. Im Wesentlichen wurden hier Übersichtsarbeiten anstelle wissenschaftlicher Studien ausgelegt.

Wissenschaftlich fragwürdige Vorgehensweise mit einer Prise medialem Rummel

Wenn wir uns die Vorgehensweise bei der Erstellung dieser Leitlinie vergegenwärtigen, dann versteht sich von selbst wie hier systematisch Vertrauen in die Wissenschaft zerstört wird. Denn die Leitlinienklassen definieren sich über die angebliche Expertise der Autoren. Die Kommission besteht aus Menschen mit hohen akademischen Titeln, deren Arbeit an dieser Stelle von Niemandem überprüft oder hinterfragt wird. Eigentlich sollten diese akademischen Experten in der Lage sein, die Forderungen der genannten Quellen nach mehr Forschung an ihren Universitäten höchstpersönlich umzusetzen, anstatt veraltete Inhalte redundant zusammenzufassen und als NEU zu präsentieren.

In unserem Artikel Quantität ist nicht gleich Qualität: Neuroborreliose Leitlinie Teil 2 besprechen wir die inhaltlichen Details und warum die daraus gezogenen Schlussfolgerungen selbst von den Autoren der genannten Quellen so nicht formuliert worden sind. Hier gehts zum Artikel Neuroborreliose Teil 2.

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